31.7.2026

Gemeine Stechmücke kann das West-Nil-Virus übertragen

Eine Culex pipiens molestus sitzt auf einem Holzuntergrund.

Der Rhein-Pfalz-Kreis berichtete am 29. Juli 2026 über den ersten Fall einer bodenständigen Infektion des West-Nil-Virus. Die Infektion wurde nicht im Ausland erworben und steht daher mit dem Stich einer hier lebenden Stechmücke in Verbindung. Die KABS möchte in Anlehnung an die veröffentlichten Informationen des Rhein-Pfalz-Kreises weitere Einblicke in die Thematik ermöglichen.

 

Welche Stechmücken können West-Nil-Viren übertragen?

West-Nil-Viren werden größtenteils durch Stechmücken der Gattung Culex übertragen. Anders als beispielsweise das Dengue- oder Chikungunyavirus spielt die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) bei der Übertragung in Europa nur eine untergeordnete Rolle.

West-Nil-Viren zirkulieren primär  zwischen Vögeln und Stechmücken. Menschen und andere Säugetiere sind sogenannte Fehlwirte, in denen das Virus seinen Vermehrungszyklus nicht erfolgreich fortsetzen kann, eine Rückübertragung vom Menschen auf Stechmücken ist nicht möglich. Durch Vogelzug-Routen gelangen seit mehreren Jahren vermehrt West-Nil-Viren aus dem südlichen Europa in nördlichere Länder.

Als hauptsächlicher Überträger in Europa fungiert die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens s.l.). Die Stechmücke ist in ganz Europa heimisch und (mit Ausnahme von Island) flächendeckend etabliert. Die Art Culex quinquefasciatus gilt zum Beispiel als maßgeblicher Überträger in Nordamerika. Auch andere Vertreter der Gattung Culex übertragen West-Nil-Viren.

 

Über die Gemeinen Stechmücke

Die Gemeine Stechmücke ist eine kleine bis mittelgroße Stechmücke die ein eher schlichtes, braunes Erscheinungsbild besitzt. Von besonderem Interesse ist ihre Lebensweise und ihre Blutwirtspräferenz. Bei der Gemeinen Stechmücke kann man zwei sehr unterschiedliche Lebensweisen erkennen, weshalb hier häufig von zwei getrennten „Biotypen“ gesprochen wird.

Der Biotyp Culex pipiens f. pipiens brütet oberirdisch in naturnahen Lebensräumen und nutzt größere Pfützen, Teiche oder Flussränder als Brutstätten. Sie kann aber auch künstliche Wasseransammlungen im städtischen Raum zur Eiablage nutzen. Die Weibchen dieses Biotyps stechen vorwiegend Vögel.

Der Biotyp Culex pipiens f. molestus bevorzugt hingegen urbanere Lebensräume und sucht mit Vorliebe unterirdische Brutstätten auf. Dieser Biotyp gilt als echter Kulturfolger des Menschen. Die Weibchen dieses Biotyps stechen mit Vorliebe den Menschen oder andere Säugetiere.

Diese klare Trennung der Lebensräume tritt so vor allem in Nord- und Mitteleuropa auf. Ein großes Konsortium von Forscher:innen berichtete Oktober 2025 in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung im Journal Science, dass in Südeuropa und Nordafrika diese Abgrenzung verschwimmt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Stechmücken sowohl Vögel als auch Säugetiere stechen und das West-Nil-Virus aus seinem natürlichen Vogel-Mücke-Zyklus auf sogenannte Fehlwirte übertragen wird. Zusätzlich könnten Hybride der beiden Biotypen, die sowohl an Vögeln als auch an Säugetieren Blut saugen, eine wichtige Rolle bei der Übertragung des Virus auf den Menschen spielen.

 

Kann man die Gemeine Stechmücke bekämpfen?

Die Antwortet lautet „Jaein“: die KABS selbst geht aktiv gegen den Biotyp molestus vor, indem alte Sickergruben in Ortschaften mit Bti behandelt werden. Der Biotyp pipiens hingegen wird nur sporadisch in überschwemmten Brutstätten der Auwaldstechmücken („Rheinschnaken“) gefunden, aktiv geht die KABS nicht gegen Culex pipiens f. pipiens vor, sie stellt aber Bti-Tabletten den Bürgern ihrer Mitgliedskommunen kostenlos zur Verfügung zur Reduktion auf privatem Grund. Die Gemeine Stechmücke tritt während der ganzen Stechmückensaison auf und ist überall in Deutschland verbreitet und seit Jahrtausenden etabliert. Lokale Maßnahmen zur Vermeidung von Brutstätten der Asiatische Tigermücke können jedoch sehr lokal einen positiven Effekt haben.

 

Warum kommt es jetzt erst zu West-Nil-Infektionen in der Oberrheinregion?

Die heißeren Sommertemperaturen des Klimawandels erlauben es West-Nil-Viren sich erfolgreich in der Gemeinen Stechmücke zu vermehren. Noch vor einem Jahrzehnt war das in Deutschland nicht der Fall.