Die KABS feiert am 11. März ihr 50-jähriges Bestehen und blickt auf bewegte Jahrzehnte zurück, in denen viele Veränderung den Verein beeinflussten. Wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Innovationen optimierten die Stechmückenbekämpfung. Neue Herausforderungen wie der Klimawandel und exotische Stechmücken haben jedoch ebenfalls großen Einfluss auf die Tätigkeiten des Vereins.
Die Gründung und Folgejahre
Hochwasserereignisse am Oberrhein bescherten der Bevölkerung in den 1970er Jahren stechmückenreiche Sommer. Ein Aufenthalt im Freien war nur mit dicker Bekleidung am ganzen Körper möglich. Als Reaktion kam es am 11. März 1976 zum Zusammenschluss von 20 Kommunen am Oberrhein. Unter der Initiative des damaligen Regierungspräsidenten des Landkreises Ludwigshafen, Dr. Paul Schädler, wurde die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V. gegründet. Ziel war durch die Bekämpfung der Stechmücken zur Lebensqualität entlang des Oberrheins beizutragen.
Bereits in den ersten Jahren stand fest: die Reduktion der Plagegeister sollte so umweltschonend wie möglich ablaufen. Zu Hilfe kamen dem jungen Verein Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Heidelberg. Dort wurden naturverträgliche Bekämpfungsmethoden entwickelt und für den Einsatz im Freiland vorbereitet. Den letztlichen Durchbruch brachte das 1976 in Israel entdeckte Bodenbakterium Bacillus thuringiensis israelensis, dessen Proteine tödlich für Larven bestimmter Mückenfamilien sind. Seitdem steht der KABS ein sehr selektiver und umweltschonender Wirkstoff zur Bekämpfung von Stechmückenlarven zur Verfügung.
Neue Aufgaben
In den folgenden Jahrzehnten wuchs die KABS auf über 90 Mitglieder an und befasste sich hauptsächlich mit der Bekämpfung von Überschwemmungsstechmücken. Damit wuchsen auch die Aufgaben der KABS, so ist die Bekämpfung von Stechmücken heute eine der Voraussetzungen dafür, wenn ein neuer Hochwasserrückhalteraum etabliert werden soll. Die KABS vertritt heute nicht nur die Interessen ihrer Mitgliedskommunen, sondern beim Hochwasserschutz auch die der Bundesländer Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.
Technische Innovationen
Die KABS profitiert auch von technischen Errungenschaften, etwa der Einführung von GPS in den 1990er Jahren und den daraus resultierenden Möglichkeiten zur digitalen Kartierung. Die in mühsamer Handarbeit erstellte Kartierung der Brutstätten entlang des Oberrheins konnte so auf ein neues Level der Präzision gebracht werden. Seit den 2000er Jahren fliegen die Hubschrauber bei der Stechmückenbekämpfung mit GPS-Zielführung. Heute liegt der gesamte Datensatz an geographischen Daten digital vor und wird in einer designierten Abteilung der KABS verwaltet.
Klimawandel
Der Klimawandel und seine Folgen sind für den Verein deutlich spürbar. Mit der Zunahme von extremen Wetterverhältnissen werden Bekämpfungseinsätze schwerer planbar. Feste Bekämpfungszeitpunkte durch Schneeschmelzen in den Mittelgebirgen oder Alpen gibt es kaum noch. Stattdessen ist Starkregen der neue Taktgeber. Eine weitere Folge sind ansteigende Temperaturen. Neben einem kürzeren Bekämpfungszeitfenster ermöglichen sie auch die Etablierung von exotischen Stechmückenarten, allen voran der Asiatischen Tigermücke.
Exotische Stechmücken
Mit dem Auftritt der ersten Populationen der aggressiven Tigermücke musste auch bei der KABS eine passende Bekämpfungsmethode entwickelt werden, denn die urbane Stechmücke nutzt vor allem menschengemachte Wassergefäße als Brutstätten. Bis 2022 war das vorrangige Ziel die einzelnen, lokalen Populationen der Asiatischen Tigermücke auszulöschen. Durch die heißen Sommer der letzten Jahre konnte sich der ehemalige Exot aber explosionsartig vermehren und in viele Kommunen der Oberrheinebene verschleppt werden. Eine dauerhafte Etablierung der Tigermücke am gesamten Oberrhein ist nicht mehr zu verhindern. Damit einher geht auch ein Gesundheitsrisiko, denn die Tigermücke kann mehr 20 Krankheitserreger übertragen. Von besonderer Relevanz sind hier das Chikungunya- und Denguevirus.
Wachsende Bürokratie
Die in Kraft getretenen Änderungen der Biozidrechts-Durchführungsverordnung stellen bei der Prävention von Tigermücken ein weiteres Problem dar: seit dem 01.01.2025 greift ein Selbstbedienungsverbot für Biozide, so dass es Personen ohne Sachkunde ebenfalls nicht mehr gestattet ist Bti-Tabletten abzugeben. Eine praxisnahe Übergangslösung der SGD Süd mit speziellen Bti-Sachkunde-Schulungen ermöglicht die erneute Bereitstellung der Tabletten in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Hartwig Rihm, Präsident der KABS, fordert dennoch eine Änderung der bürokratischen ChemBiozidDV auf Bundesebene, das ist dringend notwendig, um langfristig eine effektive Tigermückenprävention zu gewährleisten.
Die KABS übernimmt durch ihre Stechmückenbekämpfung beim Hochwasserschutz wie auch der exotischen Arten landeshoheitliche Aufgaben, hier wünscht sich Hartwig Rihm mehr finanzielle Unterstützung. Mit den wachsenden Aufgaben geht auch ein ansteigender bürokratischer Aufwand einher, beispielsweise bei der Beantragung von immer komplexeren Genehmigungsverfahren. „Die KABS soll Stechmücken bekämpfen und nicht verwalten“ betont der Präsident des Vereins.
Ausblick
Trotz der neuen Herausforderungen bleibt das Engagement der KABS ungebrochen. Auch nach 50 Jahren ist es Ziel, das Aufkommen von plageerregenden und gesundheitsschädlichen Stechmückenarten gezielt und selektiv zu bekämpfen. Auch in Zukunft soll die Arbeit des Vereins den Menschen am Oberrhein eine hohe Lebensqualität ermöglichen.
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