Inkubationszeit und Symptome
Die Inkubationszeit beträgt typischerweise 2–14 Tage. Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch oder nur mit milden grippeähnlichen Symptomen wie leichtem Fieber, Kopfschmerzen, Glieder- oder Muskelschmerzen. Nur etwa 20 % der Infizierten entwickeln deutliche Symptome. Schwere Verläufe mit Hirnhaut- oder Gehirnhautentzündung (Meningoenzephalitis) treten vor allem bei älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem auf [2,3].
Behandlung und Prävention
Es gibt derzeit keine spezifische antivirale Therapie gegen WNV. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, z. B. durch Fiebersenkung, Flüssigkeitszufuhr und bei schweren Fällen stationäre medizinische Betreuung.
Prävention beruht auf dem Schutz vor Stechmückenstichen: Abends und nachts lange Kleidung tragen, Insektenschutzmittel verwenden, Stechmückenbrutstätten wie stehendes Wasser vermeiden. Für Blutspenden und Organtransplantationen gelten vorsorgliche Screening-Maßnahmen, um Übertragungen zu verhindern [2].
Situation in Deutschland
Das West-Nil-Virus wird in Deutschland seit mehreren Jahren intensiv überwacht. Untersuchungen von Wildvögeln und Stechmücken zeigen seit 2018 regelmäßige Nachweise bei Vögeln und Pferden, zunächst vor allem in Ostdeutschland [4-6]. Im Jahr 2024 wurden vereinzelt WNV-Fälle bei Tieren in fast allen Bundesländern festgestellt, mit einer Zunahme insbesondere in Norddeutschland. Eine Übersicht bietet das TierSeuchenInformationsSystem (TSIS) (https://tsis.fli.de/).
Die ersten in Deutschland erworbenen Infektionen beim Menschen wurden 2019 gemeldet. Seitdem treten in den Sommer- und Herbstmonaten jährlich Erkrankungen auf (2019–2024: 4–35 Fälle pro Jahr). Die meisten Fälle wurden in Ostdeutschland registriert [7].
Da viele Infektionen symptomlos verlaufen, ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen. Das wiederholte Auftreten zeigt, dass sich das WNV in Deutschland etabliert hat und künftig saisonal auftreten wird. Zusätzlich werden immer wieder Infektionen bei Reiserückkehrenden aus betroffenen Regionen festgestellt. Im Sommer 2025 kam es in Italien zu einem deutlichen Anstieg von West-Nil-Virus-Infektionen mit früherem Saisonbeginn und einer Ausbreitung auf zahlreiche Regionen. Hohe Temperaturen und Hitzewellen werden als wesentliche Faktoren für diese veränderte Epidemiologie angesehen. Die Entwicklung gilt als Hinweis darauf, dass klimatische Veränderungen die Verbreitung des Virus in Südeuropa begünstigen, was auch für Reisende und benachbarte Regionen relevant ist [8].