Lage in Deutschland

In Deutschland kommen verschiedene Stechmückenarten vor, darunter auch invasive Arten wie die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die potenziell Viren wie Dengue oder Chikungunya übertragen können. Die Asiatische Tigermücke breitet sich zunehmend aus, besonders in wärmeren Regionen des Landes. Durch den Klimawandel und steigende Temperaturen werden die Lebensbedingungen für solche Stechmücken in den Sommermonaten zunehmend günstiger, was das Risiko für vektorübertragene Krankheiten erhöht.

Übersicht zur Lage einiger Arboviren

Stechmücken können eine Reihe unterschiedlicher Infektionserreger übertragen. Viren stellen dabei die häufigste übertragene Gruppe dar. Mehr als 500 dieser sogenannten Arboviren (Akronym arthropode-borne viruses; „von Arthropoden getragene Viren“) sind weltweit bekannt, in Europa sind bisher mehr
als 50 nachgewiesen worden.

In Deutschland stellt sich die Situation hinsichtlich ausgewählter Arboviren derzeit wie folgt dar:

West-Nil-Virus (WNV)
  • WNV wird in Deutschland von einheimischen Stechmücken übertragen und zirkuliert zwischen Vögeln und Stechmücken.
  • Seit 2018 kann man das Virus in Deutschland regelmäßig in Vögeln, seltener auch in Pferden und Menschen nachweisen.
  • Die Zirkulation tritt vor allem in Sommer und Spätsommer auf, wenn die Stechmücken in großer Zahl aktiv und die Temperaturen hoch sind.
  • Für Menschen ist das Risiko einer Infektion weiterhin relativ gering, aber vorhanden – vor allem bei warmem Wetter und in Regionen mit vielen Vögeln und Stechmücken.
Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren
  • In Deutschland festgestellte Dengue- und Chikungunya-Infektionen sind bislang nicht auf heimische Stechmücken zurückzuführen, sondern werden auf Urlaubs- oder Geschäftsreisen erworben (z. B. nach Aufenthalten in Endemiegebieten).
  • Autochthone (=bodenständige) Übertragungen von Dengue oder Chikungunya sind in Deutschland noch nicht bestätigt worden, wohingegen in Nachbarländern wie Frankreich oder Italien bereits Fälle nachgewiesen wurden.

 

Das Risiko steigt regional und saisonal

Klimatische Veränderungen führen zu längeren Sommern und höheren Temperaturen, was die Lebensbedingungen für Stechmücken verbessert und die saisonalen Übertragungszeiten verlängert.

In Regionen, in denen sich bereits etablierte Tigermückenpopulationen befinden, wird das Risiko für autochthone Arbovirus-Übertragungen höher eingeschätzt, da die klimatischen Bedingungen in warmen Jahren eine Vermehrung und Ausbreitung von Tigermücken und potentiellen Krankheitserregern begünstigen.

 

Kurzes Fazit

  • West-Nil-Virus ist in Deutschland bereits etabliert und kann durch einheimische Stechmücken übertragen werden, vor allem im Spätsommer.
  • Dengue und Chikungunya sind derzeit vor allem reiseassoziierte Infektionen; eine lokale Übertragung in Deutschland ist bisher nicht bestätigt.
  • Durch klimatische Veränderungen und die Ausbreitung invasiver Stechmückenarten wird das Übertragungsrisiko künftig vermutlich steigen, insbesondere in warmen Regionen wie z. B. Südwest-Deutschland.

 

Was man tun kann

  • In den Sommermonaten durch Mückenschutzmittel, lange Kleidung und Moskitonetzen im Haus vor Stichen schützen.
  • Bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen nach einem Aufenthalt in warmen Regionen oder nach Insektenstichen im Sommer medizinischen Rat einholen und auf mögliche Arbovirus-Infektionen hinweisen.