Oberrhein

Das Oberrheingebiet ist eine rund 300 km lange und 40 km breite Tiefebene. Entlang dieser Tiefebene fließt der Rhein Richtung Norden und formt dabei Lebensräume wie Flussauen oder dient zur Wasserversorgung.

Von den Alpen bis zur Nordsee

Der Rhein entspringt im Gotthardgebirge in den Alpen und mündet nach einer Lauflänge von 1.232 km [1] in die Nordsee. Das Einzugsgebiet erstreckt sich über neun Staaten. Der Rhein gilt als zweitlängster Fluss in Zentral- und Westeuropa.

Der Rhein wird in mehrere Abschnitte unterteilt: als Alpenrhein fließt der Fluss in den Bodensee und von dort aus als Hochrhein weiter bis nach Basel. Von Basel bis nach Bingen durchläuft er als Oberrhein die oberrheinische Tiefebene. Hinter Bingen erfolgt der Übergang zum Mittelrhein. Der Niederrhein beginnt ab Bonn und endet mit dem Deltarhein wo er sich in die drei Mündungsarme Waal, Lek und IJssel aufteilt.

Flussmorphologie

Der Oberrheingraben entstand nicht durch ein vom Fluss geschaffenes Tal, sondern durch tektonische Bewegungen der flankierenden Gebirge. Das Einsinken des Oberrheingrabens begann vor rund 45 Millionen Jahren. Mit dem Rückweichen des Meeres vor etwa 22 bis 15 Millionen Jahren wurde Platz für ein System aus Flüssen geschaffen, zu denen auch der Ur-Rhein zählt. Der Rhein fand seine endgültige Gestalt jedoch erst vor knapp 12.000 Jahren [2].

Durch sein Gefälle bildete der Rhein in Südwestdeutschland zwei flussmorphologische Abschnitte aus:

  • Furkationszone von Basel bis Karlsruhe, auch südlicher Oberrhein genannt [3]
  • Mäanderzone von Karlsruhe bis Mainz, auch nördlicher Oberrhein genannt [3]

Die Furkationszone war durch eine Vielzahl von Inseln in der breiten Talniederung geprägt. Die hier 30-40 km breite Oberrheinebene bot Raum für eine bis zu 12 km breite Aue. In der Mäanderzone (Mäander: dem stark geschlängelten, von „Maiandros“ entlehnter Begriff) ändert sich das Fließverhalten des Rheins und förderte die Bildung großer Schlaufen und Altarme [3].

Die zwei Flussmorphologien des Oberrheins im Vergleich.

Flusslandschaft im Wandel der Zeit

Schon in vorgeschichtlicher Zeit war der Oberrhein besiedelt, jedoch konnte er damals nicht ohne Gefahren bewirtschaftet werden. Durch die Schneeschmelze im Frühjahr und Niederschläge im Sommer kam es zu gefürchteten Hochwassern. Der Rhein floss in einem Gewirr aus Flussarmen dahin. Inseln verschwanden oder wurden mit Hochwasserereignissen neu gebildet. Ackerland wurde regelmäßig zerstört und Siedlungen bedroht, hinzu kam die Übertragung von Krankheiten wie etwa Malaria durch Stechmücken [5].

Ein Einblick in die ursprüngliche Form des Rheins zeigt das Gemälde von Peter Birmann mit Blick vom Isteinerklotz rheinaufwärts gegen Basel (um das Jahr 1819).

Quelle der Abbildung: Peter Birmann/Kunstmuseum Basel, Birmann-Sammlung 1859 – Bildaten gemeinfrei

Das Gemälde von Peter Birmann zeigt von einem Aufsichtspunkt am Isteinerklotz den Blick auf den Rhein bei Basel. Der Rhein schlängelt sich durch die Landschaft und besteht aus vielen Inseln.

Bändigung des Flusses

Um den Rhein zu bändigen mussten wasserbautechnische Eingriffe erfolgen. Im Hochmittelalter war das durch viele zersplitterte Kleinstterritorien jedoch nicht möglich, denn eine Zusammenarbeit wurde abgelehnt. Durch die territoriale Neuordnung nach 1806 bzw. 1815 war ein Eingriff letztlich möglich [5].

Das Hochwasserschutzprogramm und die Rheinkorrektur begannen ab 1817 unter der Leitung des Wasserbauingenieurs Johann Gottfried Tulla. Nach seinen Plänen wurde diese bis 1880 fortgesetzt. Mit der Begradigung des Rheins wurden zahlreiche Flussarme in einem breiten Mittelwasserbett zusammengefasst [5]. Der Flusslauf wurde in der Furkationszone dabei um 13 % und in der Mäanderzone um 37 % verkürzt. Aus der sumpfigen und mit Altarmen durchzogenen Rheinaue wurde ein land- und forstwirtschaftlich genutztes Gebiet [4].

Im 20. Jahrhundert folgten weitere wasserbautechnische Eingriffe, um den Rhein zur Energiegewinnung und als Schifffahrtsstraße nutzen zu können, wie etwa der Bau eines betonierten Rheinseitenkanals (Grand Canal d’Alsace) oder der Bau von Staustufen mit Seitendämmen und Laufwasserkraftwerken [4].

Die Eingriffe führten zu starken Veränderungen am Oberrhein. Das Gefälle des begradigten Rheins vergrößerte sich, was die Fließgeschwindigkeit erhöhte. Das wiederum verstärkte die Tiefenerosion wodurch sich das Flussbett vertiefte. Das hatte Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel, der mit dem fallenden Wasserstand ebenfalls absank. Somit gingen natürliche Überflutungsflächen verloren und die ursprüngliche Auenlandschaft wurde durch trockenheitsliebende Pflanzengesellschaften abgelöst [4,5].

Moderner Hochwasserschutz und Auenrenaturierung

Das „Integrierte Rheinprogramm (IRP)“ dient sowohl dem Hochwasserschutz als auch dem Erhalt bzw. der Renaturierung der Oberrheinauen. Maßnahmen umfassen die Schaffung von Rückhalteräumen für Hochwasser (Polder) und die Dammrückverlegung. Dadurch soll die Wechselbeziehung zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser wiederhergestellt werden [6].


Literaturverzeichnis

  1. Internationale Kommission für die Hydrologie des Rheingebiets (KHR) (2015) Länge des Rheins (Update 2015). Verfügbar unter https://www.chr-khr.org/de/nachrichten/laenge-des-rheins-update-2015, zuletzt abgerufen am 05.08.2024.

  2. Rahe J., Stieghorst M. und Weber U. (2011) Handbuch Rhein. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Seite 11-32

  3. Tittuzer T. und Krebs F. (1996) Ökosystemforschung: der Rhein und seine Auen: eine Bilanz. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, Seite 9-40

     

  4. Mäckel R. und Seidel J. (2003) Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland. Band 2 – Relief, Boden, Wasser. Seite: 92-93

  5. Kreus A. & von der Ruhren N. (2009) Fundamente. Geographie Oberstufe. Schülerbuch. Alle Bundesländer. Stuttgart: Klett Schulbuchverlag. ISBN 978-3-623-29260-1, S. 78-83.

  6. Regierungspräsidien Baden-Württemberg (o. J.) Integriertes Rheinprogramm (IRP). Verfügbar unter https://rp.baden-wuerttemberg.de/themen/wasser/irp/, zuletzt abgerufen am 02.02.2026.