Dirofilariosen

Die Dirofilariose ist eine durch Fadenwürmer der Gattung Dirofilaria verursachte Infektionskrankheit, die durch den Stich infizierter Stechmücken übertragen wird. Hauptwirte sind Hunde und andere Raubtiere, bei denen die Würmer sich normal entwickeln und vermehren können. Der Mensch ist ein sogenannter Fehlwirt, in ihm erreicht der Parasit gewöhnlich nicht das volle Entwicklungsstadium und wird nicht weitergegeben. Die Übertragung erfolgt, wenn Stechmücken, die zuvor an einem infizierten Tier Blut gesaugt haben, nach zwei bis drei Wochen erneut zustechen und dabei die Larven übertragen. Zahlreiche Stechmückenarten, darunter Aedes, Culex und Anopheles, können die Parasiten übertragen. Dirofilariose ist in Europa zunehmend verbreitet und wurde in vielen Ländern gemeldet, was auf Faktoren wie Klimaänderungen, die Verbreitung von Vektoren und die Bewegung von Haustieren zurückgeführt wird [1].

Dirofilariosen

Erreger Dirofilaria-Fadenwürmer (Nematoden), v. a. Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis
Erregertyp Parasitäre Würmer (keine Viren)
Überträger (Vektor) Stechmücken (z. B. Aedes, Culex, Anopheles)
Vektoraktivität Dämmerungs- und tagaktiv (artabhängig)
Natürlicher Übertragungszyklus Hund ↔ Stechmücke
Weitere Übertragungswege keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung
Fehlwirt Mensch (keine vollständige Entwicklung des Parasiten)
Geografische Verbreitung Süd- und Osteuropa, Mittelmeerraum, Asien; zunehmende Ausbreitung nach Mitteleuropa
Inkubationszeit Wochen bis Monate
Häufigkeit beim Menschen Selten, meist Einzelfälle
Typische Symptome Meist schmerzlose Knoten unter der Haut, Schwellungen, Juckreiz
Besondere Formen Okuläre Dirofilariose (Befall des Auges); pulmonale Knötchen
Schwere Verläufe Sehr selten lebensbedrohlich
Letalität Extrem gering
Therapie Chirurgische Entfernung des Wurms; Medikamente selten erforderlich
Impfstoff Keine Impfstoffe für Menschen und Hunde
Immunität nach Infektion Keine schützende Immunität
Prävention Mückenschutz; Prophylaxe bei Hunden
Infektionsrisiko in Deutschland gering

Symptome

Beim Menschen verläuft eine Infektion meist mild oder symptomarm. Am häufigsten entstehen schmerzlose oder leicht entzündete Knoten unter der Haut, wenn sich die Larven dort einkapseln. Seltener können die Würmer auch in der Nähe des Auges gefunden werden, wo sie lokale Beschwerden verursachen können. In sehr seltenen Fällen können auch innere Organe betroffen sein. Schwere Symptome sind die Ausnahme [2,3].

Menschen gelten traditionell als Endwirte, die die Übertragungskette nicht weiterführen, weil sich die Parasiten meist nicht vollständig entwickeln. In Einzelfällen wurde jedoch beschrieben, dass Larven im menschlichen Blut nachweisbar waren, was auf eine mögliche Ausnahme dieses Prinzips hinweist, auch wenn dies sehr selten ist [4].

Die von Dirofilaria immitis bei Hunden verursachte Herzwurmerkrankung ist eine schwere, des Öfteren auch tödlich verlaufende Infektion, die hauptsächlich Hunde in der Mittelmeerregion betrifft. Der Parasit siedelt sich in den Arterien der Lunge und im Herzen des Hundes an, was zu Husten, Atemnot und Herzinsuffizienz führen kann.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose erfolgt meist durch bildgebende Verfahren, die Untersuchung von Gewebeproben oder durch molekulare Tests. Da sich bei Menschen die Würmer in der Regel nicht weiterentwickeln, wird oft die chirurgische Entfernung von Knoten oder Würmern gewählt, was meistens zur vollständigen Heilung führt. Medikamente können in seltenen Fällen ergänzend eingesetzt werden, sind aber oft nicht notwendig.

 

Situation in Deutschland

Auch in Deutschland wurden Dirofilarien wiederholt bei Stechmücken und Hunden nachgewiesen. Es gibt Hinweise auf eine etablierte lokale Übertragung von Dirofilaria repens, insbesondere in Brandenburg sowie im mittleren Oberrheintal, während Dirofilaria immitis bislang vor allem mit importierten Fällen assoziiert ist [4-6]. Klimatische Veränderungen haben dazu geführt, dass in den Sommermonaten in weiten Teilen Deutschlands Bedingungen bestehen, unter denen sich der Parasit entwickeln kann [7]. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass sich durch den Temperaturanstieg zunehmend mehr Populationen der Asiatischen Tigermücke etablieren können, die ein geeigneter Vektor zur Übertragung der Filarien ist.

Das aktuelle Übertragungsrisiko für D. repens ist daher vor allem in nordöstlichen und südwestlichen Regionen gegeben und könnte sich mit weiter steigenden Temperaturen ausdehnen. Wichtige Risikofaktoren sind der Klimawandel, der Import infizierter Hunde aus Süd- und Südosteuropa sowie ein unzureichender Stechmückenschutz bei Haustieren [5]. Für Menschen bleibt das Erkrankungsrisiko insgesamt gering; Präventiv sind Mückenschutzmaßnahmen und eine konsequente tierärztliche Prophylaxe bei Hunden von zentraler Bedeutung.


Literaturverzeichnis

  1. Hattendorf, C., & Lühken, R. (2025). Vectors, host range, and spatial distribution of Dirofilaria immitis and D. repens in Europe: a systematic review. Infectious diseases of poverty, 14(1).

  2. Riebenbauer, K., Weber, P. B., Walochnik, J., Karlhofer, F., et al. (2021). Human dirofilariosis in Austria: the past, the present, the future. Parasites & Vectors, 14(1).

  3. Santilli, L., Canovari, B., Balducci, M., Cesaretti, G., et al. (2025). Autochthonous human subconjunctival dirofilariasis in europe: a case report from Italy and literature review. European Journal of Clinical Microbiology & Infectious Diseases 2025.

  4. Vranjković, M. P., Havliček, A. V., Kramar, M., Topić, M. B., et al. (2025). Not a Dead-End Host: First Confirmed Persistent Microfilaremia in Human Dirofilaria repens Infection. Microorganisms 2025, Vol. 13, Page 2263, 13(10).

  5. Czajka, C., Becker, N., Jöst, H., Poppert, S., Schmidt-Chanasit, J., et al. (2014). Stable Transmission of Dirofilaria repens Nematodes, Northern Germany. Emerging Infectious Diseases, 20(2).

  6. Czajka, C., Becker, N., Poppert, S., Jöst, H., Schmidt-Chanasit, J., & Krüger, A. (2012). Molecular detection of Setaria tundra (Nematoda: Filarioidea) and an unidentified filarial species in mosquitoes in Germany. Parasites & Vectors, 5(1).

  7. Sassnau, R., Daugschies, A., Lendner, M., & Genchi, C. (2014). Climate suitability for the transmission of Dirofilaria immitis and D. repens in Germany. Veterinary parasitology, 205(1-2).