Chikungunya-Virus / Chikungunyafieber

Chikungunyafieber ist eine durch das Chikungunya-Virus (CHIKV) verursachte virale Infektionskrankheit, die durch den Stich infizierter Stechmücken der Gattung Aedes, vor allem Aedes aegypti und Aedes albopictus, auf den Menschen übertragen wird. Diese Stechmücken sind tagaktiv und können das Virus sowohl in tropischen als auch zunehmend in subtropischen und gemäßigten Regionen verbreiten. CHIKV gehört zur Familie Togaviridae und zum Genus Alphavirus und wird weltweit in über 110 Ländern nachgewiesen [1].

Chikungunya-Virus

Virusname Chikungunya-Virus (CHIKV)
Virusfamilie / Gattung Togaviridae / Alphavirus
Genom Positivsträngige RNA (ssRNA⁺), behüllt
Serotypen Ein Serotyp
Hauptvektoren Aedes aegypti, Aedes albopictus
Vektoraktivität Tagaktiv
Natürlicher Übertragungszyklus Mensch ↔ Aedes-Stechmücke (urbaner Zyklus); sylvatischer Zyklus mit Primaten
Weitere Übertragungswege Bluttransfusion, Organtransplantation, vertikal (Schwangerschaft)
Geografische Verbreitung Afrika, Asien, Amerika; zunehmend auch in Europa
Inkubationszeit 2–12 Tage (meist 3–7 Tage)
Anteil asymptomatischer Infektionen ca. 15–30 %
Typische Symptome Plötzliches hohes Fieber, starke Gelenkschmerzen, Muskel- und Kopfschmerzen, Hautausschlag
Charakteristisches Merkmal Oft langanhaltende oder chronische Gelenkbeschwerden
Schwere Verläufe Selten lebensbedrohlich; Komplikationen v. a. bei älteren Menschen
Letalität Sehr gering (< 0,1 %)
Therapie Keine spezifische antivirale Therapie; symptomatisch
Impfstoff Impfstoffe zugelassen (Ixchiq®, lebend-attenuiert; Vimkunya®, Totimpfstoff; Zulassung für Personen ab 12 Jahren)
Immunität nach Infektion Wahrscheinlich lebenslang
Prävention Mückenschutz, Brutstättenbekämpfung, ggf. Impfung
Infektionsrisiko in Deutschland Gering, aber zunehmend

Inkubationszeit

Nach einem Stechmückenstich beträgt die Inkubationszeit beim Menschen in der Regel 2–12 Tage, meist 3–7 Tage, bevor erste Symptome auftreten. Viele Infektionen verlaufen symptomatisch; ein Teil bleibt ohne erkennbare Beschwerden, dennoch können auch diese Personen das Virus weitergeben, da sie für den Vektor infektiös sind [1].

 

Symptome

Klinisch zeigt sich das Chikungunyafieber typischerweise mit plötzlich auftretendem hohem Fieber, starken Gelenk- und Muskelschmerzen, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit. Die Gelenkbeschwerden können sehr ausgeprägt sein und Wochen bis Monate, in Einzelfällen sogar Jahre, anhalten. Meist verläuft die Erkrankung selbstlimitierend, selten treten schwere Komplikationen auf, die vor allem ältere Menschen, Säuglinge und Personen mit Vorerkrankungen betreffen [2].

 

Behandlung und Prävention

Eine spezifische antivirale Therapie existiert derzeit nicht; die Behandlung ist überwiegend symptomatisch, z. B. durch fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente sowie Ruhigstellung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr [2].

Zum Schutz vor einer Infektion sind präventive Maßnahmen wie Mückenschutz, Kleidung mit langer Bedeckung, Insektenschutzmittel und die Verminderung von Brutstätten wesentliche Bausteine der Prävention. Zudem wurden in mehreren Ländern inzwischen Impfstoffe gegen Chikungunya zugelassen (z. B. IXCHIQ® und VIMKUNYA®), die für bestimmte Risikogruppen und Reisende in Endemiegebiete empfohlen werden, auch wenn Verfügbarkeit und Einsatz noch begrenzt sind [3]. Aktuelle Informationen zur Chikungunya-Impfung und den Empfehlungen der STIKO sind auf der Website des Robert Koch-Instituts (RKI) verfügbar [4]. Nach überstandener Erkrankung bildet der Körper in der Regel eine lang anhaltende Immunität gegen das Virus, was erneute Infektionen unwahrscheinlich macht.

 

Situation in Deutschland

Das Risiko einer lokalen (autochthonen) Chikungunya-Infektion in Deutschland ist derzeit gering, wird jedoch in Zukunft zunehmen. Aedes albopictus-Stechmücken in Deutschland sind prinzipiell in der Lage, das Chikungunya-Virus zu übertragen, wobei die Übertragungseffizienz stark von der Temperatur und dem Virusstamm abhängt. Infektionen können bei durchschnittlichen Tages-Temperaturen zwischen 15 und 24 °C erfolgen, die höchsten Übertragungsraten liegen bei Ø 18–21 °C [5,6]. Durch die Ausbreitung der Tigermücke entlang des Oberrheins, einer der wärmsten Regionen in Deutschlands, ist eine lokale Übertragung möglich, insbesondere während warmer Sommerperioden. Vier autochthone Chikungunya-Fälle wurden 2025 im benachbarten Elsass (Frankreich), nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, gemeldet, was zeigt, dass die Bedingungen für lokale Übertragungen gegeben sind.

In Frankreich wurden in den letzten Jahren vermehrt autochthone Chikungunya-Infektionen registriert, insbesondere in südlichen und westlichen Regionen. Diese Entwicklungen erhöhen auch das Risiko für Deutschland, da infizierte Reiserückkehrende aus der Mittelmeerregion während der Sommermonate als Ausgangspunkt für lokale Übertragungen dienen können.

Informationen über das Infektionsgeschehen in Europa und weltweit können hier gefunden werden: https://www.ecdc.europa.eu/en/chikungunya-monthly.


Literaturverzeichnis

  1. World Health Organization. Chikungunya – Key facts [Internet]. WHO; 2025 [abgerufen am 15. Dezember 2025]. Verfügbar unter https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/chikungunya

  2. Martelossi-Cebinelli, G., Carneiro, J. A., Yaekashi, K. M., Bertozzi, M. M., Bianchini, B. H. S. et al. (2025). A Review of the Biology of Chikungunya Virus Highlighting the Development of Current Novel Therapeutic and Prevention Approaches. Pathogens, 14(10), 1047.

  3. Paul-Ehrlich-Institut. Chikungunya feverVaccines [Internet]. Langen: Paul-Ehrlich-Institut; 2025 [abgerufen am 15. Dezember 2025]. Verfügbar unter: https://www.pei.de/EN/medicinal-products/vaccines-human/chikungunya-fever/chikungunya-node.html

  4. Robert Koch-Institut. FAQ zur Impfempfehlung gegen Chikungunya [Internet]. Berlin: Robert Koch-Institut; 2024 [abgerufen am 15. Dezember 2025]. Verfügbar unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Chikungunya/FAQ-Liste_Impfempfehlung.html

  5. Lühken, R., Rauhöft, L., Pluskota, B., Lange, U., Helms, M. et al. (2024). High vector competence for chikungunya virus but heavily reduced locomotor activity of Aedes albopictus from Germany at low temperatures. Parasites & Vectors, 17(1).

  6. Heitmann, A., Jansen, S., Lühken, R., Helms, M., Pluskota, B. et al. (2018). Experimental risk assessment for chikungunya virus transmission based on vector competence, distribution and temperature suitability in Europe, 2018. Eurosurveillance, 23(29).