Zika-Virus / Zikafieber

Eine Zika-Virus-Infektion (Zikafieber) ist eine durch das Zika-Virus (ZIKV) verursachte virale Infektionskrankheit, die primär durch den Stich infizierter Aedes-Stechmücken, insbesondere Aedes aegypti und Aedes albopictus, auf den Menschen übertragen wird. Diese tagaktiven Stechmücken kommen vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor; in den letzten Jahren wurden jedoch auch autochthone Übertragungen in bislang nicht endemischen Gebieten beschrieben.

Das Zika-Virus gehört zur Familie Flaviviridae und zur Gattung Flavivirus. Es ist eng verwandt mit anderen humanpathogenen Viren wie dem Dengue-Virus, dem Gelbfieber-Virus, dem West-Nil-Virus, dem Japanischen-Enzephalitis-Virus und dem FSME-Virus. Im Gegensatz zum Dengue-Virus existiert beim Zika-Virus nur ein Serotyp, was immunologisch relevant ist, da nach durchgemachter Infektion in der Regel eine langanhaltende Immunität angenommen wird [1].

Zika-Virus

Virusname Zika-Virus (ZIKV)
Virusfamilie / Gattung Flaviviridae / Flavivirus
Genom Positivsträngige RNA (ssRNA⁺), behüllt
Anzahl Serotypen Ein Serotyp
Hauptvektoren Aedes aegypti, Aedes albopictus
Vektoraktivität Tagaktiv
Natürlicher Übertragungszyklus Mensch ↔ Aedes-Mücke (urbaner Zyklus); vermutlich auch sylvatischer Zyklus mit nicht-humanen Primaten
Weitere Übertragungswege Sexuell, vertikal (Schwangerschaft), Bluttransfusion, Organtransplantation
Geografische Verbreitung Tropische und subtropische Regionen (Afrika, Südostasien, Pazifik, Amerika); sporadische Fälle in Europa
Inkubationszeit 3–14 Tage (meist 5–7 Tage)
Anteil asymptomatischer Infektionen ca. 60–80 %
Typische Symptome Mildes Fieber, Exanthem, Konjunktivitis, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
Schwere Komplikationen Guillain-Barré-Syndrom; kongenitales Zika-Syndrom (z. B. Mikrozephalie)
Letalität Sehr gering
Therapie Keine spezifische antivirale Therapie; symptomatisch
Impfstoff Kein zugelassener Impfstoff (mehrere Kandidaten in Entwicklung)
Immunität nach Infektion Wahrscheinlich langanhaltend / lebenslang
Prävention Mückenschutz, Brutstättenbekämpfung, Safer Sex nach Exposition
Infektionsrisiko in Deutschland Sehr gering

Weitere Infektionswege und Inkubationszeit

Neben der vektorübertragenen Infektion sind beim Zika-Virus weitere Übertragungswege dokumentiert, darunter die sexuelle Übertragung, die vertikale Übertragung von der Mutter auf den Fetus während der Schwangerschaft sowie Übertragungen über Blutprodukte [1,2].

Die Inkubationszeit beträgt typischerweise 3–14 Tage, meist etwa 5–7 Tage [2]. Ein Großteil der Infektionen (geschätzt 60–80 %) verläuft asymptomatisch oder nur mit milden Beschwerden. Dennoch können auch asymptomatisch infizierte Personen zur weiteren Verbreitung beitragen, insbesondere über Stechmücken oder sexuelle Kontakte [1,3].

 

Symptome

Klinisch äußert sich das Zikafieber meist als milde, selbstlimitierende Erkrankung mit niedrig- bis mäßiggradigem Fieber, fleckig-knötchenartiger Hautausschlag, Bindehautentzündung, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie allgemeinem Krankheitsgefühl [2]. Schwere Verläufe sind selten. Von besonderer klinischer Bedeutung sind jedoch neurologische Komplikationen, die im zeitlichen Zusammenhang mit ZIKV-Infektionen beschrieben wurden, darunter das Guillain-Barré-Syndrom bei Erwachsenen [4].

Ein besonderes Merkmal des Zika-Virus ist, dass es bei einer Infektion während der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen kann. Es kann zu schweren fetalen Fehlbildungen führen, zusammengefasst als kongenitales Zika-Syndrom. Dieses umfasst unter anderem Mikrozephalie (zu kleiner Kopf beim Baby), intrakranielle Verkalkungen (Ablagerungen von Kalk im Gehirn), Augenfehlbildungen und neurologische Entwicklungsstörungen. Der kausale Zusammenhang zwischen mütterlicher ZIKV-Infektion und diesen Fehlbildungen wurde in mehreren epidemiologischen und experimentellen Studien belegt [3,5].

 

Behandlung und Prävention

Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Zika-Virus steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, z. B. mit Fiebersenkung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Ruhe.

Die Prävention beruht in erster Linie auf der Vermeidung von Stechmückenstichen durch Repellents, geeignete Kleidung, Moskitonetze und die Reduktion von Brutstätten. Zusätzlich wird in Zika-Endemiegebieten oder nach möglicher Exposition empfohlen, Safer-Sex-Maßnahmen einzuhalten, insbesondere für Schwangere oder Paare mit Kinderwunsch. Mehrere Zika-Impfstoffe befinden sich in präklinischer und klinischer Entwicklung, bislang ist jedoch kein Impfstoff zugelassen [6].

Nach überstandener Infektion wird von einer langanhaltenden, vermutlich lebenslangen Immunität ausgegangen. Kreuzreaktive Antikörper gegen andere Flaviviren (z. B. Dengue) können jedoch serologische Diagnostik erschweren und sind Gegenstand aktueller immunologischer Forschung [1,6].

 

Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Zika-Virus zu infizieren, derzeit sehr gering. Studien zeigen, dass heimische Culex-Stechmücken das Virus nicht übertragen können, während Aedes albopictus nur bei ungewöhnlich hohen Temperaturen (27 °C Durchschnittstemperatur) Zika weitergeben kann [7]. Aktuelle Informationen zur epidemiologischen Lage des Zika-Virus in Europa und weltweit werden unter anderem vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) bereitgestellt.


Literaturverzeichnis

  1. Musso, D., Gubler, D. J. (2016) Zika Virus. The Lancet. 387(10027):1482–1493.

  2. Petersen, L. R., Jamieson, D. J., Powers, A. M., Honein, M. A.. (2016) Zika Virus. New England Journal of Medicine. 374:1552–1563.

  3. Rasmussen, S. A. et al. (2016) Zika Virus and Birth DefectsReviewing the Evidence for Causality. New England Journal of Medicine. 374:1981–1987.

  4. Cao-Lormeau, V. M. et al. (2016) Guillain–Barré Syndrome outbreak associated with Zika virus infection. New England Journal of Medicine. 375:1598–1601.

  5. Mlakar, J. et al. (2016) Zika Virus Associated with Microcephaly. New England Journal of Medicine. 374:951–958.

  6. Barrett, A. D. T. (2018) Current status of Zika vaccine development. The Lancet Infectious Diseases. 18(5):e1–e8.

  7. Heitmann, A. et al. (2017) Experimental transmission of Zika virus by mosquitoes from central Europe.” Euro surveillance. 22,2: 30437