| Rhein Neckar
Zeitung, 17.6.08
"Nur
leicht anklatschen, nicht zermatschen"
KABS bittet Bevölkerung um Einsendung von Stechmücken,
die ein "Tiger-Moskito" sein könnten
Waldsee. In der Zentrale der Kommunalen Aktionsgemeinschaft
zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) gehen momentan täglich
neue, unappetitliche Postsendungen ein. Mal sind es tote Bienen, Wespen
oder besonders oft die harmlosen gelb-schwarz gestreiften Schwebfliegen,
die keiner Seele etwas zu Leide tun. Nach einem Aufruf der KABS an die
Bevölkerung in den Schnakengebieten, auffällig gezeichnete
Schnaken per Post zur Artenbestimmung ein zusenden, zählt man bereits
nach wenigen Tagen deutlich mehr als 100 Zusendungen.
"Von der zerquetschten Schabe bis zur Honigbiene ist alles dabei",
meint Norbert Becker, Wissenschaftlicher Direktor der KABS. Nur das,
wonach man eigentlich sucht, hat man bis jetzt nicht unters Labor-Mikroskop
bekommen. Der Aufruf war ergangen, weil man wissen möchte, ob und
wie weit sich der auffällig schwarz-weiß gezeichnete Tiger-Moskito
(Aedes albopictus) innerhalb von Deutschland verbreitet hat. Die Stechmücke
trägt einen weißen Streifen auf dem Rücken, und die
Beine sind ebenfalls weiß gebändert.
Erstmals war der Krankheiten übertragende Moskito 2007 in der Nähe
von Weil am Rhein auf einer Autobahnraststätte gefunden worden.
"Vermutlich ist ein Weibchen in einem Wohnwagen aus Italien nach
Deutschland mitgereist und hat hier seine Eier abgelegt", vermutet
Norbert Becker.
Ursprünglich ist der Tiger-Moskito, Aedes albopictus, im subtropischen
Asien beheimatet. In der Regel bewegt sich das kleine, nur vier bis
acht Millimeter lange Insekt kaum ein paar hundert Meter von seinem
Geburtsort weg. Brutstätten der asiatischen Stechmücke sind
kleine Wasseransammlungen in Astlöchern, verlassenen Bruthöhlen
von Vögeln, aber auch kleine Plastikbecher oder alte Autoreifen.
Seine Reise um die Welt hat der Tigermoskito in der Regel als Larve,
die im Wasser schwimmt, an Bord von Übersee-Frachtern angetreten.
Von den USA kam der Moskito in alten, regenwassergefüllten Autoreifen
nach Italien. Auch die Wassertöpfchen der beliebten Glücksbambusse
nutzt er als Transportgefäß.
Die Reisemöglichkeiten für die Moskito-Larven in einer globalisierten
Welt sind die eine Sache. Die steigenden Durchschnittstemperaturen der
letzten Winter in Mitteleuropa tun ein Übriges, damit der asiatische
Moskito in unseren Breiten eine Überlebensmöglichkeit findet.
In Italien und in der Nordschweiz nördlich der Alpen hat er bereits
stabile Populationen aufgebaut. Der Tiger-Moskito gilt als potenzieller
Überträger gefährlicher, durch Viren verursachter Fieberkrankheiten.
Die KABS bittet die Bevölkerung, nur farblich schwarz-weiß
gezeichnete Stechmücken zur Bestimmung einzusenden. "Nur leicht
anklatschen, nicht völlig zermatschen, bitte", lautet die
eigenartig klingende, aber verständliche Bitte.
Die beste Möglichkeit des Versands erfolgt in kleinen Tablettenröhrchen.
Die zweitbeste, auch wenn dabei einige Bestimmungsmerkmale verloren
gehen können, ist das leichte Fixieren mit einem Tesastreifen.
Adresse und Telefonnummer des Finders sollten in dem Brief für
eventuelle Rückfragen enthalten sein.
Info: Die Adresse der KABS: Ludwigstraße
99, 67165Waldsee.
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