| Rheinpfalz Sp,
11.6.08
Schnakenbekämpfer
kommen nicht aus den Stiefeln
Otterstadt: Schwül-gewittrige Wetterlage und Hochwasser-Wellen
begünstigen Stechmückenentwicklung - 2,4 Millionen Euro reichen
nicht aus
Zur Zeit sind entlang der Rheinfront vom Kaiserstuhl
bis zum Rheingau mehr als 200 Mitarbeiter des Vereins "Kommunale
Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage" (Kabs)
im Einsatz, um einem erneuten Massenschlüpfen der Stechmückenlarven
mit biologischen Mitteln Paroli zu bieten. Es ist in diesem Jahr bereits
die dritte Hochwasserwelle, die ein Massenschlüpfen auslöst.
Gestern waren die Helfer bei Otterstadt und Römerberg unterwegs.
Obwohl die jetzige Welle mit 4,85 Metern
am Pegel Speyer nicht so hoch ist, fördert das feucht-schwüle
Wetter das Massenschlüpfen. Ein Besatz von 1.000 Larven pro Liter
ist keine Seltenheit - das entspricht zirka einer Milliarde Stechmückenlarven
pro Hektar Wasser. "100 bis 500 Larven pro Liter sind normal",
erklärt KABS-Direktor Dr. Norbert Becker. In der KABS haben sich
Kommunen aus Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg zusammengeschlossen.
Seit Mittwoch sind die Schnakenbekämpfer im Einsatz. Gestern waren
die Helfer unter anderem in den Bereichen Ludwigshafen-Rheingönheim,
Mannheim, Altrip, Römerberg und Otterstadt (Kollerinsel) unterwegs.
Da die Entwicklung der Larven temperaturabhängig ist, stehen für
die Bekämpfung nur sechs Tage zur Verfügung - mit biologischen
Mitteln können nur Schnakenlarven im Wasser bekämpft werden,
bei geschlüpften Tieren sind die Maßnahmen wirkungslos. "Dann
müssen wir warten bis zur nächsten Welle", erklärt
Becker.
Dieses Jahr wurden schon 12.000 Hektar bearbeitet, wobei die Hubschrauber
9.000 Hektar abgedeckt haben. Die intensive Bekämpfung zahle sich
aus. In Gebieten, in denen bekämpft wird, würden Schnaken
nur noch vereinzelt auftreten. Die Stechmücken werden mit einem
Eiweißstoff bekämpft, der von Bakterien gebildet wird. Dieser
wird ins Wasser gespritzt oder per Hubschrauber in Eiskügelchen
abgeworfen. Die Larven sterben, wenn sie den Stoff fressen, da dieser
ihren Darm zerstört.
In einem Jahr mit durchschnittlichem Schnakenbefall reicht der Kabs
ein Budget von 2,4 Millionen Euro. "Das wird dieses Jahr nicht
ausreichen. Darüber haben wir die Gemeinden schon informiert",
berichtet Becker. Der Kabs-Direktor rechnet für 2008 mit bis zu
sieben Wellen, die die Schnakenvermehrung begünstigen. Pro Welle
veranschlagt er etwa 400.000 Euro Bekämpfungskosten.
Wie Becker betonte, kann eine wirksame Stechmückenbekämpfung
nicht allein der Kabs überlassen werden - Bekämpfungsmaßnahmen
in Überschwemmungsgebieten treffen nur Wiesen- und Waldschnaken.
Lästig werden in Wohngebieten auch die Hausmücken. Sie entwickeln
sich in mit Wasser gefüllten Behältern wie Blumenkübeln
und Regentonnen. Jeder kann zuhause zur Schnakenbekämpfung beitragen:
Man sollte Regentonnen leeren, neu füllen und sorgfältig abdecken,
damit die Weibchen keine Eier an die Wasseroberfläche legen können.
Weiterhin kann man sich in den Gemeindeverwaltungen der Kabs-Mitgliedsgemeinden
kostenlos Culinex-Tabletten besorgen und in Wasserbehältern auflösen.
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