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| <<Leerzelle>> | |
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 04.05.2008 Schnake,
hier ist dein Tod!
Im Moment haben wir hier zwei Hubschrauber im Einsatz, von denen aus wir größere Sumpfgebiete mit einem biologischen Mittel gegen Mückenlarven besprühen - in Afrika fehlen solche technischen Voraussetzungen meist, ohne die man große Überschwemmungsgebiete wie jetzt am Rhein mit 60 000 Hektar gar nicht behandeln kann. Neben insektizidbeschichteten Moskitonetzen propagiert die WHO das Besprühen von Innenwänden mit lang wirksamen Insektiziden, darunter das umstrittene DDT. Muss das sein? Die unmittelbare Giftigkeit des DDT für den Menschen ist sehr gering, problematisch ist seine Anreicherung in der Nahrungskette. Der Ökologe in mir sträubt sich zwar dagegen, aber in bestimmten Fällen ist DDT sicher das kleinere Übel. Man sollte aber immer erst nach anderen Möglichkeiten suchen. Was gibt es denn für Alternativen? Vor allem Insektizide aus der Gruppe der Pyrethroide, nach dem Vorbild des Chrysanthemen-Giftes. Die sind allerdings deutlich teurer als DDT, und es gibt mehr Probleme mit resistenten Mückenpopulationen. Eine weitere Alternative ist der Wirkstoff Bendiocarb, der in einigen Ländern Afrikas mit Erfolg eingesetzt wird. Womit machen Sie denn am Rhein den Mücken den Garaus? Hier versprühen wir BTI über den Brutgewässern, einen Wirkstoff aus dem Bacillus thuringiensis israelensis, der hochspezifisch nur Mückenlarven abtötet. Er schont aber alle anderen Tierarten, also auch die natürlichen Feinde der Larven. Was spricht gegen den Einsatz in den Malaria-Gebieten Afrikas? Im Prinzip nichts. Der offizielle Standpunkt der WHO ist aber, dass das Ausbringen so genannter Larvizide nicht Erfolg versprechend sei, weil es einfach zu viele Bruttümpel für den wichtigsten Überträger der Malaria, Anopheles gambiae gebe. Aber in bestimmten Fällen, etwa in urbanen Gebieten, in denen die Tiere oft in künstlich angelegten Teichen brüten, lässt sich mit BTI erwiesenermaßen viel erreichen. Im Kampf gegen die Malaria sollte man alle verfügbaren Mittel einsetzen - dass man sich bei der WHO noch immer so gegen BTI als Larvizid sperrt, kann ich nicht nachvollziehen. Wissenschaftler haben noch eine Reihe experimenteller Ansätze zur Mückenkontrolle in der Pipeline - was wird davon in absehbarer Zeit praktisch umsetzbar? Die Pilzsporen, mit denen niederländische Kollegen arbeiten, bringen im Labor ganz gute Infektionsraten und drücken die Lebenserwartung der Moskitos so weit, dass die Malaria-Erreger nicht mehr genug Zeit haben, ihre Entwicklung in der Mücke abzuschließen. Noch fehlt es an Erfahrungen aus Feldversuchen um sagen zu können, ob das wirklich funktioniert. Und wie steht es um gentechnische Methoden? Die Veröffentlichung der Genome von Plasmodium und Anopheles vor knapp sechs Jahren schürten die Erwartungen enorm... Damals galt der Leitspruch "Let's make a better Moskito". Im Labor ist es immerhin gelungen, Moskitos zu erzeugen, in denen sich die Plasmodien nicht mehr vermehren können. Das größere Problem ist aber, Wildpopulationen durch solche manipulierten Tierchen zu ersetzen. Die wilden Mücken sind einfach lebensfähiger und werden sich nicht so schell verdrängen lassen. Ich finde solche Ansätze wissenschaftlich interessant, aber ich glaube nicht, dass sie in absehbarer Zeit zur Bekämpfung der Malaria beitragen werden. Man hört immer wieder, die Malaria könne im Zuge des Klimawandels nach Deutschland zurückkehren - was ist da dran? Wir haben sechs Anopheles-Arten hier in Deutschland. Diese Überträger der Malaria, die bei uns mitsamt ihrem Erreger Plasmodium vivax vor über 50 Jahren verschwunden ist, waren also nie weg. Und immerhin bringen jedes Jahr 500 bis 1000 Menschen die Malaria aus den Tropen mit nach Deutschland. Trotzdem ist die Parasitendichte so gering, dass Übertragungen die absolute Ausnahme bleiben. Außerdem werden alle Fälle hier ja sofort behandelt und der Kreislauf so frühzeitig unterbrochen - eine Rückkehr wird es also in absehbarer Zeit nicht geben. |
