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Die Rheinpfalz, 14.02.2008:
Schnakenjäger jetzt auch
Tigermoskitos auf der Spur
LUDWIGSHAFEN/WALDSEE: Kommunale Aktionsgemeinschaft
warnt vor Einschleppung asiatischer Insekten am Oberrhein
Der internationale Güterverkehr, die
Mobilität der Menschen, veränderte klimatische Bedingungen
in Mitteleuropa: Diese drei Faktoren begünstigen nach Ansicht der
Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage
(Kabs), dass in Zukunft nicht nur harmlose heimische Stechmücken
ihr Unwesen am Oberrhein treiben. Im vergangenen Jahr haben die Schnakenjäger
aus Waldsee erstmals die Existenz asiatischer Tigermoskitos nachgewiesen.
Ob die als Überträger gefährlicher Krankheiten gefürchteten
Insekten aus den Tropen sich dauerhaft bei uns etablieren oder der Fund
in einer so genannten Eiablagefalle auf einem Rastplatz an der A 5 ein
Einzelfall gewesen sein könnte, soll mit großem Aufwand überwacht
werden.
Dass die Gefahr einer Ausbreitung von Aedes albopictus - so der
wissenschaftliche Name des aus Südostasien stammenden Tigermoskitos
- durchaus real ist, zeigt nach Ansicht der Kabs das Beispiel Italiens:
Dort wurde die Mücke erstmals über Altreifentransporte aus
den USA in die Hafenstadt Genua eingeschleppt. Innerhalb weniger Jahre
habe sie sich rapide in weitere Regionen verbreitet. Nach Kabs-Informationen
soll das Insekt bisher in 13 europäischen Ländern aufgetreten
sein - darunter Frankreich, Belgien, Niederlande und die Schweiz. Untersuchungen
der Waldseer Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Universität
Heidelberg hätten eigenen Angaben zufolge Erkenntnisse geliefert,
dass das Klima auch in der Oberrheinischen Tiefebene eine dauerhafte
Ansiedlung des Tigermoskitos ermögliche.
Die Warnung der Forscher, die mit ihren Einsätzen auch im Rhein-Pfalz-Kreis
dazu beitragen, dass die lästige, aber ungefährliche Schnakenplage
eingedämmt wird: "Bei zu spät eingeleiteten Kontrollmaßnahmen
ist die Gefahr der Ausbreitung und einer dauerhaften Etablierung von
Aedes albopictus in klimatisch geeigneten Gebieten wie im Oberrheingebiet
sehr groß", heißt es in einer Pressemitteilung. Dafür
müsse aber der Umfang der Kontrollmaßnahmen "drastisch
erweitert werden". In den vergangenen Jahren hat die Kabs nach
eigenen Angaben etwa jeweils 10.000 Euro in Untersuchungen zum Thema
Tigermoskito investiert. "Es sollen im Oberrheingebiet Verhältnisse
ähnlich wie in Norditalien vermieden werden, wo der Tigermoskito
nicht mehr ausgerottet werden kann." Der Aufwand der Schnakenjäger,
die mehr und mehr auch zu Moskitojägern werden, wäre beträchtlich:
An positiven Fallenstandorten muss nach ihrer Meinung die Anzahl der
Monitoringfallen erhöht, geeignete Brutstätten - beispielsweise
Baumhöhlen - kartiert und der Larvenbesatz regelmäßig
überprüft werden.
Die Kabs setzt außerdem auf die Mithilfe der Öffentlichkeit,
will auf einer Internet-Seite informieren und Info-Broschüren verteilen.
Die Aktionsgemeinschaft hofft, dass dadurch ein eventuelles Auftreten
in der Region schneller bei ihr gemeldet werde. Um einer größeren
Population den Nährboden zu nehmen, wollen sich die Schnakenjäger
eines seit 15 Jahren bewährten Mittels bedienen, des Wirkstoffs
BTI (Bacillus Thuringiensis Israelensis). Mit ihm können in Form
von Tabletten oder Eisgranulat Baumhöhlen oder Gewässer behandelt
werden.
Nach Einschätzung der Kabs-Forscher ist in Deutschland die Gefahr
durch die Tigermücke als Überträger von Krankheiten gering.
"Es müsste eine größere Anzahl von Mücken
geben und es müsste sich ein geeigneter, mit einem entsprechenden
Virus infizierter Wirt finden." Dass bislang einmalig in einer
Falle fünf abgelegte Eier nachgewiesen wurden, deute darauf hin,
dass es sich wahrscheinlich um ein einzelnes verschlepptes und vermutlich
schon vorher in Italien befruchtetes Weibchen gehandelt habe. Ein Aufbau
einer stabilen Population mit solch einer geringen Menge an Eiern als
Startpotenzial sei in diesem Frühjahr jedoch eher unwahrscheinlich.
Aber: Es könnten weitere eingeschleppte Exemplare in den folgenden
Jahren für eine erfolgreiche Einbürgerung sorgen, warnt die
Kabs. STICHWORT: Asiatischer Tigermoskito. Nach dem afrikanischen Tigermoskito
(Aedes aegypti) ist dessen asiatische Variante Aedes albopictus der
weltweit gefährlichste Überträger von für den Menschen
gefährlichen Viren. Zu erkennen ist das Insekt an der tigerähnlichen
Zeichnung von Beinen, Brust und Hinterteil. Die Moskitos übertragen
Tropenkrankheiten wie Gelbfieber, Dengue-Fieber und Chikungunya-Fieber.
Als diese Krankheit im Sommer 2007 in Italien auftrat, war dies der
erste Ausbruch einer tropischen Erkrankung in Europa in den letzten
Jahrzehnten. Eine mit Chikungunya-Viren infizierte Person reiste aus
Indien nach Italien ein. In der Folge traten von Juli bis Oktober in
der Provinz Ravenna etwa 300 Fälle auf. Krankheitssymptome sind
hohes Fieber, Glieder- und Gelenkschmerzen. Bei älteren Menschen
kann die Krankheit auch tödlich verlaufen.
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