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Badische Neueste Nachrichten, 15./16.12.2007:

Rekordjahr für die Schnakenbekämpfer - Kabs geht auf 25.000 Hektar gegen Stechmücken vor

Kreis Karlsruhe/Waldsee (BNN). Für die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) waren die beiden vergangenen Jahre schon Rekordjahre, aber 2007 hat diese Rekorde noch einmal übertroffen. erklärte Kabs - Präsident Paul Schädler bei der jüngsten Jahreshauptversammlung in Waldsee.
Der Wissenschaftliche Direktor der Kabs, Norbert Becker, betonte, dass die Bekämpfung trotz des großen Aufwands mehr zufrieden stellend gelaufen sei. Neun Hochwasserspitzen gab es im Vorjahr, das heißt mehr als doppelt so viel wie in "normalen" Jahren und damit jedes Mal einen neuen Schlupf von Larven. In diesem Jahr dauerte die Bekämpfungsperiode von März bis September. Am stärksten hat sich die Stechmückenpopulation im August bemerkbar gemacht. Heftige Regenfälle und folgende Hitzeperioden stellten eine besondere Herausforderung für die Schnakenjäger dar. Klagen der Bevölkerung gingen bei der Kabs indessen keine ein. Schließlich sei eine Reduktion der Stechmückenpopulation um 99 Prozent gegenüber unbehandelten Gebieten erreicht worden.
Im laufenden Jahr wurden insgesamt 260 Tonnen Bekämpfungsstoff ausgestreut. Im bekämpfungsintensiven August waren beide Hubschrauber täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Einsatz. Das Gebiet erstreckte sich auf 98 Gemeinden zwischen dem Kaiserstuhl und Rüdesheim. Zusätzlich zu den Hubschraubern waren 250 Helfer an Einsatz. 94 Bekämpfungstage gab es dieses Jahr, davon 47 mit dem Hubschrauber Die Kabs - Mitarbeiter und die helfenden Studenten leisteten dabei 33.000 Arbeitsstunden und legten dabei 270.000 Kilometer zurück.
In diesem Rekordjahr seit Bestehen der Kabs wurden 25.000 Hektar behandelt. 17.000 davon mit Hubschraubern und 8.000 zu Fuß. Im Vergleich zu früher haben die Schnakenbekämpfer nach jeder Hochwasserwelle nur noch eine Woche Zeit. Daraus und aus der Intensität der Bekämpfung resultierten die höheren Kosten von rund 400.000 Euro pro Jahr. Die Kabs komme daher nicht umhin, die Grundumlage sowie die Sonderumlage für die Mitgliedsgemeinden zu erhöhen.
Ein weiteres Problem für den Hochwasserschutz ergibt sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo mehrere 1.000 Hektar zusätzlich als Überschwemmungsgebiet auftreten durch das Ausweisen von Poldern, was wohl bald den Einsatz eines dritten Hubschraubers notwendig machen wird.
"Mücken sind nicht nur als Lästlinge zu sehen, sie sind auch die gefährlichsten Tiere weltweit - alle 30 Sekunden stirbt ein Mensch an einem Mückenstich", berichtete Becker. Mücken wie die als Krankheitsüberträger gefürchteten Tigermoskitos (Aedes albopictus) breiteten sich in kürzester Zeit in zwölf europäischen Ländern aus und wurden jüngst auch bei Rastatt nachgewiesen. Um umfangreiche Bekämpfungsmaßnahmen vornehmen zu können, fordert die Kabs überregionale Finanzmittel (Bund, EG), damit es nicht zu Verhältnissen wie in Italien komme, wo der Tigermoskito sich ira ganzen Land verbreitet und schon eine tropische Krankheit übertragen habe.

4 Fragen an Norbert Becker, Wissenschaftlicher Direktor der Kabs, zur Schnakenbekämpfung:
1.) 2007 war bei der Schnakenbekämpfung ein Rekordjahr. Warum? BECKER: Das hing vor allem mit den neun Hochwasserspitzen zusammen. Den Rekord mit acht Meiern hatten wir am 10../ 11. August. Hinzu kam, dass den Regenphasen Wärmeperioden folgten, was die Vermehrung der Larven sehr begünstigte.
2.) Welche Rolle spielen die Hochwasserspitzen? BECKER: Eine sehr große. Die Weibchen der Rheinschnaken legen ihre Eier in Senken oberhalb der Wasseroberfläche ab. Wenn dann der Wasserpegel durch Hochwasser steigt, schlüpfen die Larven.
3.) Welchen Einflus hat die Klimaerwärmung? BECKER: Die Entwicklungshäufigkeit der Larven hat sich durch die- warmen Sommer fast verdoppelt. Die Bekämpfungsperiode dauerte früher von Mitte April bis Mitte September. Jetzt sind wir von Mitte März bis Mitte Oktober im Einsatz.
4.) Gibt es Prognosen über die Schnakenpopulation im nächsten Jahr? BECKER: Das können wir nicht vorhersagen. Die Entwicklung ist an die Hochwasserspitzen gekoppelt. Die wiederum hängen davon ab, ob es in den Alpen viel Schnee gibt und wie schnell der schmilzt.

Stichwort Kabs:
Die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) wurde 1976 gegründet. Aktuell gehören ihr 98 Körperschaften entlang des Oberrheins an, die gemeinsam die Stechmücken im Rheingebiet bekämpfen. Das Gebiet mit einer Fläche von etwa 6.000 Quadratkilometern umfasst eine Strecke von rund 300 Rhein - Kilometern zwischen Bingen im Norden und Offenburg im Süden. In diesem Raum leben rund 2.5 Millionen Menschen.
Bekämpft werden die Plagegeister mit einem Eiweiß auf der Basis des Bacillus thuringiensis israelensis (Bti), dus Mückenlarven abtötet, aber auf die sonstige Flora und Fauna keine negativen Auswirkungen hat. Der Bekämpfungsstoff wird entweder als Pulver mit Wasser angerührt und dann zu Fuß mit der Rückenspritze oder als Eisgranulat mit dem Hubschrauber ausgebracht. In den Brutgewässern fressen die Stechmückenlarven den Wirkstoff, der zur Auflösung der Darmzellen und damit zum Tod der Tiere führt.



 

 

 
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