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Süddeutsche Zeitung, 8./9. 12.2007:
Gefährlicher Plagegeist - Die
Asiatische Tigermücke ist in Deutschland angekommen
Es waren nur fünf winzige schwarze Pünktchen
auf einem Holzstreifen, und anfangs war sich Björn Pluskota gar
nicht sicher, ob es sich wirklich um das handelte, wonach er drei Jahre
lang gesucht hatte. Das war im September. Jetzt steht fest: Die Asiatische
Tigermücke, Aedes albopictus, hat Deutschland erreicht. Es waren
tatsächlich ihre Eier, die der Insektenforscher auf einem Autobahnparkplatz
bei Rastatt am Oberrhein entdeckt hatte. Die Tigermücke ist aggressiv,
sie attackiert besonders gerne Menschen, und ihre Stiche schmerzen.
Wo sie auftaucht, kann sie sich binnen weniger Jahre zur Plage entwickeln.
In ihrer Heimat, den Tropen, verbreiten die Blutsauger gefährliche
Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder Chikungunya, eine sehr schmerzhafte
Virus-Erkrankung. Experten warnen davor, mit der Bekämpfung der
Insekten zu zögern.
Nach Deutschland sind die Mücken vermutlich über die Alpen
gekommen - als blinde Passagiere mit Reisenden oder mit Frachtgut. Seit
etwa 1990 ist die Tigermücke in Italien heimisch und hat sich über
den gesamten Norden des Landes ausgebreitet. "Bis nach Rom ist
sie inzwischen der größte Plagegeist", sagt Norbert
Becker. Der Zoologe der Universität Heidelberg ist Direktor der
"Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage"
(Kabs). Den italienischen Behörden wirft Becker vor, viel zu lange
abgewartet zu haben: "Jetzt wird man die Tigermücke dort nicht
mehr los." Doch auch in Deutschland geschehe zu wenig, kritisiert
er: "Experten warnen schon seit Jahren vor diesem Szenario",
sagt er. Jetzt seien Bund und Länder gefragt.
An Kälte angepasst.
Im Tessin, dem südlichsten Schweizer Kanton, wird die Tigermücke
bereits mit gezielten Maßnahmen bekämpft. Eleonora Flacio
und ihre Kollegen von der kantonalen Mückenarbeitsgruppe gehen
an mittlerweile 72 Orten gegen die weitere Ausbreitung der Insekten
vor. Wo immer die Stechtiere aufgetaucht waren, werfen Flacio und ihre
Helfer in jede mögliche Bruthöhle eine Tablette mit einem
Protein des Bacillus thuringiensis israelensis und Entwicklungshemmer
gegen die Larven. Außerdem besprühen sie die Bäume im
Umkreis mit Insektengift, damit auch die ausgewachsenen Tigermücken
verschwinden. "Bis jetzt haben wir die Mücke im Tessin auf
diese Weise immer wieder verdrängen können", sagt Flacio.
"Gezielte Bekämpfung funktioniert, solange die Population
klein ist."
Im Frühjahr werden Björn Pluskota und weitere Kabs-Mitarbeiter
erneut die Autobahn 5 überprüfen. Ein Tigermückenweibchen
verteilt bis zu 70 Eier auf mehrere Verstecke. Die Eier, die er im September
gefunden hatte, überspülte Pluskota in seinem Labor an der
Universität Heidelberg mit Wasser. Normalerweise beginnen sie dann
zu reifen. Doch das klappte erst im dritten Anlauf, daraus schließt
der Doktorand, dass die Mücke Eier mit Schlupfhemmung gelegt hatte.
So verhindern die Insekten, dass ihre Larven mitten im Winter auf die
Welt kommen. Außerdem verkraften diese Eier tiefere Temperaturen.
Die ursprünglich in den Tropen beheimatete Tigermücke hat
sich auf ihrem Zug um die Welt an das Klima in gemäßigten
Breiten angepasst. Inzwischen nehmen Experten an, dass sie in Gegenden
überwintern kann, in denen die Durchschnittstemperatur im Januar
über dem Gefrierpunkt bleibt. Pluskota zufolge sind das in Deutschland
der Rhein und die angrenzenden Flusstäler sowie der Kraichgau und
der Westen der Norddeutschen Tiefebene.
Aber wie real ist die Gefahr, dass Tigermücken nicht nur schmerzende
Stiche verursachen, sondern auch gefährliche tropische Krankheiten
übertragen? Im Labor ist es Wissenschaftlern immerhin gelungen,
die Mücke mit 20 weiteren Viren zu infizieren, die auch dem Menschen
ernsthaft schaden können. In Norditalien ist im vergangenen Sommer
sogar ein Mensch an Chikungunya erkrankt. Aber "selbst wenn sich
die Mücke hier festsetzt, die Viren kommen nicht automatisch nach",
beruhigt Andreas Krüger, Insektenkundler beim Bundeswehrfachbereich
für Tropenmedizin am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut. Sicherer
wäre jedoch, es gäbe keine neuen Mücken, die Krankheiten
übertra
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