<<Leerzelle>>  

Mannheimer Morgen, 10.08.2007:


Tropische Moskitos zieht es an den Rhein
Waldseer Schnakenjäger überwachen die Region / Hochwasser beschert Dauereinsätze

Waldsee. Die Mitarbeiter der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Waldsee sind in Alarmbereitschaft: "Uns steht ein Jahrhunderthochwasser ins Haus", so der wissenschaftliche Direktor, Dr. Norbert Becker, via Handy vom Rheinufer. "Die Spitze wird Speyer vermutlich morgen erreichen, das ist dann die achte Hochwasserwelle in diesem Jahr", stöhnt Becker: "Wir schießen aus allen Rohren, um eine Plage abzuwenden und gehen ab Montag mit zwei Hubschraubern in die Luft", beruhigt er die Kurpfälzer.
Wenn die Helikopter mit dem Hummelgesicht abheben, ziehen sie eine große Trommel in die Höhe, die mit dem mikrobiologischen Kampfstoff "Bacillus thuringiensis israelis" - kurz B.t.i. - beladen ist. Verpackt ist die Waffe gegen die munteren Mücken in Eisgranulat, das sich im Wasser auflöst und das B.t.i. freigibt. Der Bazillus produziert Eiweißkristalle, die von anderen Tieren wie Hühnereiweiß verdaut werden können. Im Darm von Schnaken richtet der Bio-Kampfstoff dagegen verheerende Schäden an.
"Unsere beiden Produktionsanlagen in Speyer sind Tag und Nacht in Aktion1', berichtet der KABS-Direktor, der mit den bisher erzielten Erfolgen durchaus zufrieden ist. "Derzeit spürt man die Mücken im Auwald kaum, aber ich denke, dass wir spätestens in zwei Wochen einen höheren Titer haben werden." Das liege an der Regenfront, die über die Region hinwegzieht. "Wird es - wie vorhergesagt - ab Sonntag wieder wärmer und sommerlicher ist dass für uns der Supergau."
Doch nicht nur die Bekämpfung der heimischen Stechmücken hält die KABS-Wissenschaftler in Atem. Parallel läuft ein Monitoringprogramm, das exotische Artgenossen der Schnaken ins Visier nimmt. So befürchten die Experten, dass sich der aus Malaysia stammende Tigermoskito künftig auch in den Feuchtgebieten des Rheins ansiedeln könnte. "Das hat aber nichts mit der Klimaerwärmung, sondern mit dem Export zu tun", sagt Becker. So seien die Tierchen, die ihre Eier normalerweise in Bambusschalen ablegen, in denen Wasser steht, sehr anpassungsfähig. Mittlerweile habe der Tropenbewohner Autoreifen als Brutplatz entdeckt. Und da die von Asien aus in aller Herren Länder verschifft werden, sei die Stechmücke als blinder Passagier schon bis nach Italien; Frankreich und Spanien gekommen. "Und über die Alpen ist es bloß ein Katzensprung"; vermutet Becker, dass die Exoten auch die Kurpfälzer bald kratzen könnten.
Seit zwei Jahren überwache die KABS deshalb sämtliche Autobahnraststätten an der A 5 und der A 6 sowie Containerhäfen und Flugplätze. Denn auch importierte Bambuspflanzen, in deren Töpfen das Wasser steht, seien optimale Moskito-Reisegefährte.


 

 

 
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