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Die Grundlagen für eine ökologisch sinnvolle
und wirksame Bekämpfung der Entwicklungsstadien der Stechmücken sind:
- Ausreichende Kenntnisse der Biologie und Ökologie
der plageerregenden Stechmücken, um gezielt gegen sie vorgehen zu
können.
- Entwicklung von umweltverträglichen Bekämpfungsmethoden
und Applikationstechniken, so dass den vielfältigen Wechselbeziehungen
in einem sensiblen Ökosystem Rechnung getragen wird.
- Eine exakte kartografische Erfassung und Katalogisierung
der Brutplätze, um eine Grundlage für die Erarbeitung der Bekämpfungsstrategie,
den rechtzeitigen Vollzug der Bekämpfung und die Kommunikation mit
dem Bekämpfungspersonal während der Maßnahmen zu haben.
Bei
der Kartierung müssen neben dem Vorkommen der Stechmücken vor allem
auch die ökologischen Rahmenbedingungen eines Brutgebietes erfasst
werden.
- Das Erarbeiten einer Bekämpfungsstrategie
auf der Basis der Kartierungsergebnisse. Die ökologischen Rahmenbedingungen
bestimmen, welche Applikationstechnik Anwendung findet. Treten z.B.
trittempfindliche Pflanzengesellschaften auf, so wird vorwiegend der
Hubschrauber eingesetzt. Kommen störempfindliche Vögel vor, so wird
z.B. zu Fuß oder mit dem Helikopter aus großer Höhe bekämpft.
- Aufbau einer straffen Organisation, die qualifiziertes
Personal und vor allem auch alle Gemeinden umfasst, die umfangreiche
Massenbrutgebiete besitzen, um eine effektive und erfolgreiche Bekämpfung
gewährleisten zu können.
- Untersuchung zur Umweltverträglichkeit und
zum Erfolg der getroffenen Bekämpfungsmaßnahmen (Begleituntersuchungen).
- Konsolidierung und Optimierung der Maßnahmen
(Optimierung der Methoden um ein Höchstmaß an Umweltverträglichkeit
und Effektivität zu gewährleisten sowie zur Vermeidung von Resistenz).
Die Bekämpfung der Stechmücken durch B.t.i.
Bacillus
thuringiensis israelensis (B.t.i.) ist ein bodenlebendes Bakterium,
das ein Fraßgift produziert, welches in der Lage ist, Larven von Stechmücken
(Culicidae) und wenigen anderen Familien der Zweiflügler (Diptera: Nematocera)
abzutöten. Das Bakterium wurde 1976 in Israel zum ersten Mal aus
moribunden Stechmückenlarven isoliert. Mittlerweile wird es jährlich
weltweit im Tonnenmaßstab u.a. zur Bekämpfung von Stech- und Kriebelmücken
eingesetzt. Aufgrund seiner hohen Selektivität, die im wesentlichen
auf dem komplizierten Zusammenspiel von Verdauungsenzymen und Rezeptorproteinen
der Mückenlarven basiert, stellt die Anwendung von B.t.i. die bislang
umweltschonendste Methode der Stechmückenbekämpfung dar.
Das aktive Agens von B.t.i. ist ein Eiweißstoff
(Protein, Endotoxin), der von den Bakterien im Laufe ihres Lebenszyklus
(genauer: bei der Sporenbildung) produziert wird. Um wirksam werden
zu können, muss das Protein von den Mückenlarven gefressen werden.
Im Darm der Larven wird das Protein selektiv in kleinere Untereinheiten
zerlegt (verdaut). Die Zellen auf der Innenseite des Mitteldarms der
Mückenlarven besitzen Rezeptoren, an denen die bei der Verdauung entstandenen
Untereinheiten anbinden können. Dies führt zur Zerstörung der Darmzellen
und führt letztendlich zum Tod der Larve. Der „Verdauungsprozess“ und
das Zusammenspiel von Protein-Untereinheiten und Zellrezeptoren erfolgt
äußerst spezifisch, so dass außer den Stechmückenlarven eine Schädigung
anderer wasserlebender Organismen auszuschließen ist.
Nur wenn im Darm der Zielorganismen folgende
Bedingungen vorliegen, kann der Eiweißkristall letztendlich seine gezielte
Wirkung entfalten:
- Alkalisches Darmmilieu;
- Spezifische Darmproteasen (Verdauungsfermente),
die den Eiweißkristall (Protoxin) zu den eigentlichen Toxinen (einzelne
Eiweißkomponenten) abbauen;
- Spezielle Rezeptorstellen an der Oberfläche
der Mitteldarmepithelzellen, an die sich die Eiweißkomponenten anlagern
und die “krankhaften” osmotischen Effekte hervorrufen können.
Umfangreiche
Untersuchungen haben ergeben, dass diese biologischen Bedingungen nur
im Darm von Mückenlarven, insbesondere von Stech- und Kriebelmückenlarven,
vorherrschen, so dass nach heutigen Erkenntnissen B.t.i. zur Bekämpfung
dieser beiden Insektengruppen herangezogen werden kann.
Da das B.t.i. in den Verdauungstrakt aufgenommen
werden muss, ist eine Mückenbekämpfung nur im Larvenstadium möglich.
Sowohl gegen die Puppen, die keine Nahrung mehr aufnehmen, als auch
gegen die fliegenden Stechmückenimagines ist die Verwendung von B.t.i.
wirkungslos.
Die
Toxin produzierenden Bazillen können großtechnisch gezüchtet und das
Protein „geerntet“ werden. Die KABS wendet im Wesentlichen zwei Formulierungen
an: B.t.i.-Puder, welches zu Suspensionen oder Granulaten verarbeitet
werden kann und Suspensionen von B.t.i.-Flüssigkonzentraten.
Bei sachgemäßem Umgang mit B.t.i. geht von den
Bakterien bzw. Sporen keine Gefahr für Mensch und Natur aus. Bei den
von der KABS vertriebenen Formulierungen wird durch eine Gamma-Bestrahlung
sichergestellt, dass Sporenfreiheit besteht.
Gegenüber konventionellen Insektiziden weist
die B.t.i.-Methode einige Vorteile auf:
- B.t.i. ist hoch selektiv nur gegen Mückenlarven
wirksam,
- B.t.i. kann auch in Bereichen eingesetzt werden,
in denen Vorbehalte gegenüber herkömmlichen Insektiziden bestehen,
- B.t.i. wird gegen Stechmücken-Larven eingesetzt,
d.h. eine Plage wird bekämpft bevor sie entstehen kann,
- es müssen keine chemischen Insektizide großflächig
ausgebracht werden,
- Resistenzen gegenüber B.t.i. sind bisher unbekannt.
Vorgehen bei der Bekämpfung
1. Festlegung der Larvendichten und der Bekämpfungsphasen
bei der Stechmückenbekämpfung durch Kontrollen des Larvenbesatzes:
Es
werden in den einzelnen Probearealen jeweils 10 Schöpfproben mit einem
Standardschöpfer (ein 0,3-Liter fassender, heller Plastikbecher) entnommen
und die Anzahl der Larven sowie deren Larvenstadien und Gattungszugehörigkeit
erfasst. Geschöpft wird an Stellen, an denen sich bei ruhigem Verhalten
Stechmückenlarven beim Absuchen der Wasseroberfläche ausmachen lassen.
Über die Besatzdichte der einzelnen Probestellen sowie den Entwicklungsstand
der Larven wird Protokoll geführt. Treten bei Hochwasser regelmäßig
5 und mehr Larven pro Liter auf, so müssen Bekämpfungsmaßnahmen entsprechend
dem entwickelten Bekämpfungskonzept vorgenommen werden.

2. Bereitstellung der Wirkstoff-Granulate
und Applikation des mikrobiellen Wirk
stoffes:
Die KABS wendet im Wesentlichen folgende Formulierungen
an:
- Suspensionen von B.t.i. und Tümpelwasser,
- eine wässrige Suspension auf der Basis von
B.t.i.-Flüssigkonzentraten,
- Granulatformulierungen auf der Basis von mineralischen
Trägern (Quarzsand) und B.t.i.-Puder bzw. B.t.i.-Eisgranulat,
- Culinex-B.t.i.-Tabletten gegen Hausmückenlarven.
Sämtliche
Arten von Formulierungen müssen auf die Wasseroberfläche der Stechmückenbrutstätten
appliziert werden. Im Fall der Suspensionen geschieht dies in der Regel
durch das Versprühen mit Hilfe einer Rückenspritze oder über spezielle
Sprüheinrichtungen am Hubschrauber. Bei der Fuß-Applikation läuft der
Anwender entweder durch oder entlang des Brutgewässers und versprüht
die Suspension gleichmäßig auf der Wasseroberfläche. Der Wirkstoff gelangt
so in die Fresszone der Larven, wo er von ihnen aufgenommen wird.
In
Brutstätten, die schwer zugänglich sind oder stark von Vegetation überdeckt
sind, kann für die Applikation auch ein B.t.i.-Sandgranulat verwendet
werden, welches vom zugänglichen Rand der Brutstätte von Hand ausgebracht
wird. Dieses B.t.i.-Sandgranulat ist eine Eigenentwicklung der KABS
und wird von den Mitarbeitern selbst vor jedem Einsatz hergestellt.
Bei großflächigen und stark von Pflanzenmasse
überdeckte n
Brutgebiete (z.B. durch umgeknicktes Schilf) kann das Sandgranulat auch
per Hubschrauber ausgebracht werden, wobei eine Überdeckung durch Büsche
und Bäume nicht hinderlich ist, da das Granulat durch das trockene Laub
nach unten ins Wasser rieselt. Hierzu ist am Hubschrauber eine spezifizierte
Applikationsvorrichtung (Simplex-Streugerät) angebracht.
In
der Regel kommt heute bei großflächigen Helikoptereinsätzen ein von
der Tochtergesellschaft der KABS, der Fa. ICYBAC Mosquito Control GmbH,
produziertes B.t.i.-Eisgranulat zum Einsatz. Dieses ist gegenüber dem
herkömmlichen Sandgranulat deutlich günstiger und effektiver, da die
Eiswürfelchen länger in der Fresszone der Stechmückenlarven verweilen
und somit von den Zielorganismen der Wirkstoff besser aufgenommen werden
kann. Das Eisgranulat wird in gekühlten LKWs an die Einsatzorte gebracht
und für die Applikation in spezielle, kälteisolierte Behälter gefüllt.
Eine Applikation dieser Formulierung per Hand ist nur eingeschränkt
möglich.
Da
der Wirkstoff von B.t.i. ein Protein ist, welches ins Gewässer ausgebracht
dem bakteriellen Abbau unterliegt, ist der Wirkstoff meist schon wenige
Stunden nach der Applikation unwirksam geworden. Dies bedeutet, dass
nach jedem erneuten Schlupf von Stechmückenlarven aus dem Ei die B.t.i.-Applikation
in den relevanten Brutgewässern wiederholt werden muss. B.t.i. besitzt
somit keinen „Langzeiteffekt“.
3. Erfolgskontrollen:
Nach
Abschluss der Bekämpfungsmaßnahmen in einem zeitlichen Abstand von 1-2
Tagen werden umfangreiche Erfolgskontrollen per Schöpfproben durchgeführt,
um die Reduktion der Stechmückenlarven zu dokumentieren.
Der Bekämpfungserfolg wird außerdem durch das
Aufhängen von CO2-Lichtfallen, mit denen die ausgewachsenen fliegenden
(und stechenden) Mücken erfasst werden, in regelmäßigen Abständen kontrolliert
und dokumentiert.
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