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>> Bekämpfungsmethode
 

Die Grundlagen für eine ökologisch sinnvolle und wirksame Bekämpfung der Entwicklungsstadien der Stechmücken sind:

  1. Ausreichende Kenntnisse der Biologie und Ökologie der plageerregenden Stechmücken, um gezielt gegen sie vorgehen zu können.
  2. Entwicklung von umweltverträglichen Bekämpfungsmethoden und Applikationstechniken, so dass den vielfältigen Wechselbeziehungen in einem sensiblen Ökosystem Rechnung getragen wird.
  3. Eine exakte kartografische Erfassung und Katalogisierung der Brutplätze, um eine Grundlage für die Erarbeitung der Bekämpfungsstrategie, den rechtzeitigen Vollzug der Bekämpfung und die Kommunikation mit dem Bekämpfungspersonal während der Maßnahmen zu haben. Bei der Kartierung müssen neben dem Vorkommen der Stechmücken vor allem auch die ökologischen Rahmenbedingungen eines Brutgebietes erfasst werden.
  4. Das Erarbeiten einer Bekämpfungsstrategie auf der Basis der Kartierungsergebnisse. Die ökologischen Rahmenbedingungen bestimmen, welche Applikationstechnik Anwendung findet. Treten z.B. trittempfindliche Pflanzengesellschaften auf, so wird vorwiegend der Hubschrauber eingesetzt. Kommen störempfindliche Vögel vor, so wird z.B. zu Fuß oder mit dem Helikopter aus großer Höhe bekämpft.
  5. Aufbau einer straffen Organisation, die qualifiziertes Personal und vor allem auch alle Gemeinden umfasst, die umfangreiche Massenbrutgebiete besitzen, um eine effektive und erfolgreiche Bekämpfung gewährleisten zu können.
  6. Untersuchung zur Umweltverträglichkeit und zum Erfolg der getroffenen Bekämpfungsmaßnahmen (Begleituntersuchungen).
  7. Konsolidierung und Optimierung der Maßnahmen (Optimierung der Methoden um ein Höchstmaß an Umweltverträglichkeit und Effektivität zu gewährleisten sowie zur Vermeidung von Resistenz).

Die Bekämpfung der Stechmücken durch B.t.i.

Bacillus thuringiensis israelensis (B.t.i.) ist ein bodenlebendes Bakterium, das ein Fraßgift produziert, welches in der Lage ist, Larven von Stechmücken (Culicidae) und wenigen anderen Familien der Zweiflügler (Diptera: Nematocera) abzutöten. Das Bakterium  wurde 1976 in Israel zum ersten Mal aus moribunden Stechmückenlarven isoliert. Mittlerweile wird es jährlich weltweit im Tonnenmaßstab u.a. zur Bekämpfung von Stech- und Kriebelmücken eingesetzt. Aufgrund seiner hohen Selektivität, die im wesentlichen auf dem komplizierten Zusammenspiel von Verdauungsenzymen und Rezeptorproteinen der Mückenlarven basiert, stellt die Anwendung von B.t.i. die bislang umweltschonendste Methode der Stechmückenbekämpfung dar.

Das aktive Agens von B.t.i. ist ein Eiweißstoff (Protein, Endotoxin), der von den Bakterien im Laufe ihres Lebenszyklus (genauer: bei der Sporenbildung) produziert wird. Um wirksam werden zu können, muss das Protein von den Mückenlarven gefressen werden. Im Darm der Larven wird das Protein selektiv in kleinere Untereinheiten zerlegt (verdaut). Die Zellen auf der Innenseite des Mitteldarms der Mückenlarven besitzen Rezeptoren, an denen die bei der Verdauung entstandenen Untereinheiten anbinden können. Dies führt zur Zerstörung der Darmzellen und führt letztendlich zum Tod der Larve. Der „Verdauungsprozess“ und das Zusammenspiel von Protein-Untereinheiten und Zellrezeptoren erfolgt äußerst spezifisch, so dass außer den Stechmückenlarven eine Schädigung anderer wasserlebender Organismen auszuschließen ist.

Nur wenn im Darm der Zielorganismen folgende Bedingungen vorliegen, kann der Eiweißkristall letztendlich seine gezielte Wirkung entfalten:

  • Alkalisches Darmmilieu;
  • Spezifische Darmproteasen (Verdauungsfermente), die den Eiweißkristall (Protoxin) zu den eigentlichen Toxinen (einzelne Eiweißkomponenten) abbauen;
  • Spezielle Rezeptorstellen an der Oberfläche der Mitteldarmepithelzellen, an die sich die Eiweißkomponenten anlagern und die “krankhaften” osmotischen Effekte hervorrufen können.

Umfangreiche Untersuchungen haben ergeben, dass diese biologischen Bedingungen nur im Darm von Mückenlarven, insbesondere von Stech- und Kriebelmückenlarven, vorherrschen, so dass nach heutigen Erkenntnissen B.t.i. zur Bekämpfung dieser beiden Insektengruppen herangezogen werden kann.

Da das B.t.i. in den Verdauungstrakt aufgenommen werden muss, ist eine Mückenbekämpfung nur im Larvenstadium möglich. Sowohl gegen die Puppen, die keine Nahrung mehr aufnehmen, als auch gegen die fliegenden Stechmückenimagines ist die Verwendung von B.t.i. wirkungslos.

Die Toxin produzierenden Bazillen können großtechnisch gezüchtet und das Protein „geerntet“ werden. Die KABS wendet im Wesentlichen zwei Formulierungen an: B.t.i.-Puder, welches zu Suspensionen oder Granulaten verarbeitet werden kann und Suspensionen von B.t.i.-Flüssigkonzentraten.

Bei sachgemäßem Umgang mit B.t.i. geht von den Bakterien bzw. Sporen keine Gefahr für Mensch und Natur aus. Bei den von der KABS vertriebenen Formulierungen wird durch eine Gamma-Bestrahlung sichergestellt, dass Sporenfreiheit besteht.

Gegenüber konventionellen Insektiziden weist die B.t.i.-Methode einige Vorteile auf:

  • B.t.i. ist hoch selektiv nur gegen Mückenlarven wirksam,
  • B.t.i. kann auch in Bereichen eingesetzt werden, in denen Vorbehalte gegenüber herkömmlichen Insektiziden bestehen,
  • B.t.i. wird gegen Stechmücken-Larven eingesetzt, d.h. eine Plage wird bekämpft bevor sie entstehen kann,
  • es müssen keine chemischen Insektizide großflächig ausgebracht werden,
  • Resistenzen gegenüber B.t.i. sind bisher unbekannt.

 

Vorgehen bei der Bekämpfung

1. Festlegung der Larvendichten und der Bekämpfungsphasen bei der Stechmückenbekämpfung durch Kontrollen des Larvenbesatzes:

Es werden in den einzelnen Probearealen jeweils 10 Schöpfproben mit einem Standardschöpfer (ein 0,3-Liter fassender, heller Plastikbecher) entnommen und die Anzahl der Larven sowie deren Larvenstadien und Gattungszugehörigkeit erfasst. Geschöpft wird an Stellen, an denen sich bei ruhigem Verhalten Stechmückenlarven beim Absuchen der Wasseroberfläche ausmachen lassen.
Über die Besatzdichte der einzelnen Probestellen sowie den Entwicklungsstand der Larven wird Protokoll geführt. Treten bei Hochwasser regelmäßig 5 und mehr Larven pro Liter auf, so müssen Bekämpfungsmaßnahmen entsprechend dem entwickelten Bekämpfungskonzept vorgenommen werden.

 

 

 

 

 

2. Bereitstellung der Wirkstoff-Granulate und Applikation des mikrobiellen Wirk
stoffes:

Die KABS wendet im Wesentlichen folgende Formulierungen an:

  • Suspensionen von B.t.i. und Tümpelwasser,
  • eine wässrige Suspension auf der Basis von B.t.i.-Flüssigkonzentraten,
  • Granulatformulierungen auf der Basis von mineralischen Trägern (Quarzsand) und B.t.i.-Puder bzw. B.t.i.-Eisgranulat,
  • Culinex-B.t.i.-Tabletten gegen Hausmückenlarven.

Sämtliche Arten von Formulierungen müssen auf die Wasseroberfläche der Stechmückenbrutstätten appliziert werden. Im Fall der Suspensionen geschieht dies in der Regel durch das Versprühen mit Hilfe einer Rückenspritze oder über spezielle Sprüheinrichtungen am Hubschrauber. Bei der Fuß-Applikation läuft der Anwender entweder durch oder entlang des Brutgewässers und versprüht die Suspension gleichmäßig auf der Wasseroberfläche. Der Wirkstoff gelangt so in die Fresszone der Larven, wo er von ihnen aufgenommen wird.

In Brutstätten, die schwer zugänglich sind oder stark von Vegetation überdeckt sind, kann für die Applikation auch ein B.t.i.-Sandgranulat verwendet werden, welches vom zugänglichen Rand der Brutstätte von Hand ausgebracht wird. Dieses B.t.i.-Sandgranulat ist eine Eigenentwicklung der KABS und wird von den Mitarbeitern selbst vor jedem Einsatz hergestellt.

Bei großflächigen und stark von Pflanzenmasse überdeckten Brutgebiete (z.B. durch umgeknicktes Schilf) kann das Sandgranulat auch per Hubschrauber ausgebracht werden, wobei eine Überdeckung durch Büsche und Bäume nicht hinderlich ist, da das Granulat durch das trockene Laub nach unten ins Wasser rieselt. Hierzu ist am Hubschrauber eine spezifizierte Applikationsvorrichtung (Simplex-Streugerät) angebracht.

In der Regel kommt heute bei großflächigen Helikoptereinsätzen ein von der Tochtergesellschaft der KABS, der Fa. ICYBAC Mosquito Control GmbH, produziertes B.t.i.-Eisgranulat zum Einsatz. Dieses ist gegenüber dem herkömmlichen Sandgranulat deutlich günstiger und effektiver, da die Eiswürfelchen länger in der Fresszone der Stechmückenlarven verweilen und somit von den Zielorganismen der Wirkstoff besser aufgenommen werden kann. Das Eisgranulat wird in gekühlten LKWs an die Einsatzorte gebracht und für die Applikation in spezielle, kälteisolierte Behälter gefüllt. Eine Applikation dieser Formulierung per Hand ist nur eingeschränkt möglich.

Da der Wirkstoff von B.t.i. ein Protein ist, welches ins Gewässer ausgebracht dem bakteriellen Abbau unterliegt, ist der Wirkstoff meist schon wenige Stunden nach der Applikation unwirksam geworden. Dies bedeutet, dass nach jedem erneuten Schlupf von Stechmückenlarven aus dem Ei die B.t.i.-Applikation in den relevanten Brutgewässern wiederholt werden muss. B.t.i. besitzt somit keinen „Langzeiteffekt“.

 

3. Erfolgskontrollen:

Nach Abschluss der Bekämpfungsmaßnahmen in einem zeitlichen Abstand von 1-2 Tagen werden umfangreiche Erfolgskontrollen per Schöpfproben durchgeführt, um die Reduktion der Stechmückenlarven zu dokumentieren.

Der Bekämpfungserfolg wird außerdem durch das Aufhängen von CO2-Lichtfallen, mit denen die ausgewachsenen fliegenden (und stechenden) Mücken erfasst werden, in regelmäßigen Abständen kontrolliert und dokumentiert.
 

 

 
   
   
   

 

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